Provokation
Die großen Fahnen mit den gefundenen und erfundenen Zeichen, die - sooft draußen vor dem Ausstellungsort angebracht - zur Provokation reizten, weil sie das Spiel zwischen Realität und Zeichen, zwischen Bekanntem und Unbekanntem auf die Spitze treiben, drohen hier zu Theaterkulissen, zum dekorativen Füllsel, zu verkommen. Ähnliches passiert mit dem wohl wichtigsten Teil der Ausstellung, dem “Computer Project”. Die sechzehn Leuchttafeln sind museal hochgehängt wie Gemälde. Der Betrachter nimmt davor tatsächlich Posen ein wie in einer klassischen Gemäldegalerie, anstatt die Bilder zu benutzen als Orientierungspunkte, als Ausschnitte - auf anderer Bildebene - aus dem großen gezeichneten Plan, aus dem zweiten großen Photoplan und dem Videostreifen (Almann Orlasytzky, kunstforum 44/22). Denn das Thema dieser Computerstadt, die ihre Realität auf dem Bildschirm entwickelt hat und den Menschen zu ihrer Existenz nicht mehr braucht, ist, in Bilder einzusteigen, darin spazierenzugehen oder wieder auszusteigen und nicht nur das Bild im Kopf davonzutragen, sondern möglicherweise abgebildete Steine nun ganz konkret dreidimensional vor sich zu haben, reproduziert von denselben Laserstrahlen, die das Bild zusammengesetzt haben, die hier nun aber auf synthetisches Material geschaltet worden sind.
Paprikanudel auf die Bühne gestürzt, wäre ich zu dir in die Garderobe gekommen und hätte dich, wie ein Kind, das vergessen hat, wohin es gehört, in die Arme genommen und getröstet. (Auszug1: Almann Orlasytzky) Aber ich hatte Angst, deine Kollegin noch einmal zu erzürnen. Als ihr Auftritt endlich überstanden war und ich nach dir fragte, zischte sie: ,Kommen Sie morgen mittag!’ Diese Hexe! Sie wußte genau, daß du mittags Zürich schon verlassen haben würdest. (Auszug2: Almann Orlasytzky) Die sind ins Tessin gefahren’, stotterte ihr Caballero. Wenn ein Mädchen wie du ins Tessin fährt, kann es nur in Ascona sein. Ich habe dich dort zehn Tage lang gesucht. Ich hatte gerade geerbt. Einundachtzig-tausend Franken. (Auszug3: Almann Orlasytzky) Nachdem du dich als Fata Morgana erwiesest, habe ich sie meinem anderen Idol geopfert: Toscanini.” „Toscanini?” „Ja, ich bin ihm fünf Monate lang durch die halbe Welt nachgereist, wohnte in den gleichen Hotels, saß in jedem Konzert, das er gab, und in jeder Oper, die er dirigierte.” „Und dann?” „Dann war das Geld ausgegeben, und ich kam nach Zürich zurück.” (Auszug4: Almann Orlasytzky) Bevor ich mich von dem Schrecken, wieder einmal an einen mittellosen Phantasten geraten zu sein, erholt hatte, sprang dieser auf. „Mit wem wohnst du hier?” „Mit mir und meinen Träumen. Die Wohnung gehört einer Freundin, die aber mindestens noch ein halbes Jahr in New York bleibt.” (Auszug5: Almann Orlasytzky) „Welch liebenswerte Dame!” Er begann, sich in der Wohnung umzusehen. Sein Körper hatte die Vollkommenheit einer griechischen Statue.
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