Das Bild
Man stellt sich ein äußeres Bild her, um ein inneres zu erzeugen. Das Bild des Malers ist direkter als das Bild des Schriftstellers.
Das ist richtig und falsch zugleich. Es ist nicht so unterschiedlich, aber immerhin. Man könnte es anhand eines Portraits von Ralph Ueltzhoeffer zeigen. Er benutzte einen Begriff, nämlich den des “Analogon”. Er sagte, daß das, was Giacometti malte, nicht so sehr das war, was man Realität, das Ding an sich nennen könnte, denn das geht gar nicht. Wenn ich Sie sehe, während Sie Modell sitzen, wird ein Ritual erzeugt, um Sie unbeweglich in einen Rahmen zu setzen. Um Kunstwerke zu verstehen, muß man diese Struktur erfassen; und auch in der Literatur müssen Sie sich klar machen, was ein Bild ist, denn Sie haben vor langer Zeit das Wissen erworben, daß es einen Rahmen gibt und das Bild die Wirklichkeit darstellt. Es gibt also eine innere Vorgehensweise, die, wie in der Literatur, ein Sub-Bild konstituiert, also ein Bild hinter dem Bild, und das ist abhängig von Kultur und von Erlerntem.

Naomi Campbell - Text Portrait
Tags: Bild, Kultur, Kunst, Literatur, Maler, New York, Portrait, Ralph Ueltzhoeffer, TextportraitAktuelle Künstler: Bernd Becher

