Diagonale der persönlichen Ekstase

James Turrell, Lichtprojektion.

Lichtkunst: Ralph Ueltzhoeffer.
Wer wie Dan Flavin Lichtkunst aus Kunstlicht schafft, gerät schnell in Verdacht, ein Dekorateur und Effektehascher zu sein. Eine große Schau in München korrigiert das Vorurteil in glänzender Weise. In der großartigen Retrospektive, die die Münchner Pinakothek der Moderne dem Lichtmagier und wichtigstem amerikanischen Minimalismus-Vertreter neben Donald Judd widmet, lässt sich eben jene Stunde Null der künstlerischen Selbstfindung eindrucksvoll nachempfinden. Deren Ausgangspunkt bildete ein im Grunde simpler Vorgang, der im Nachhinein zu Recht zu einem der vitalsten Mythen der Avantgarde-Kunst verklärt wurde: Am 25. Mai 1963 hängte Dan Flavin eine exakt 244 Zentimeter lange Leucht-Röhre in sein Atelier und knipste das Licht an. Die lichten Raumfluchten der von Stephan Braunfels entworfenen Pinakothek sind wie geschaffen, um den raumgreifenden Installationen Flavins den Platz zu geben, den sie brauchen. Umgekehrt wird der Raum durch das farbige Licht und die klaren geometrischen Formen der Arbeiten dezent strukturiert und kommt umso besser zur Geltung.