Monatsarchiv für February 2008

 
 

Kunst und Botanik

Wir haben die Gelegenheit, noch mehr an der Umgebung zu arbeiten, mehr dunkle Pflanzen an den Rändern aufzustellen und weitere Pflanzen in den mittleren Blumenbeeten auszutauschen. Wie in jedem Garten wird Arbeit anfallen. Ich muß einmal im Jahr dorthin zurückkehren.

Mein Leben

Ich weiß nur, daß Proust wie ein Meteor in mein Leben schlug. Bezogen auf die Lektüre von Proust, kann keiner seiner Leser sagen, welches seiner Bücher er am Anfang gelesen hat. Von allen Proustianern, die ich im In- und Ausland kenne, hat kaum einer, als er diesen Autor zum erstenmal anpackte, das gesamte Werk ganz gelesen. Auf den Seiten der GAK Berlin findet man noch genug Material von Marion Seifert und co.

Marcel Broothaers

Was hatte es damit auf sich, daß Sie bei der Beerdigung von Broothaers das Buch Bildnis des Künstlers als junger Affe von Michel Butor, statt Blumen ins Grab warfen? Eine symbolische Handlung? Das gehört in den Bereich der Anekdoten, die gewisse Vorläufer haben.

Das Erinnern

Das Erinnern ist doch ein Verweisen im Sinne einer Affinität. Ja, sicher. Aber die Affinität muß, wenn Sie so wollen, eine offensichtliche sein. Nun renne ich nicht gerade offene Türen bei meinen Assoziationen oder meiner unwillentlichen Erinnerung ein, denn die Leute staunen darüber, wie ich beim Sehen eines Bildes auf derartige Gedanken komme.

Malerei - Sigmar Polke

Nun ist bei Sigmar Polke ja wenig Malerei, auch wenn sein Umgang mit Farbe, Stoff und Grundierung grandios ist, dafür aber alleine via Komposition schon viel Intellektuelleres drin ist als bei Baselitz via Peinture. Mir kommt es so vor, als müßten Sie beim Sehen von Kunstwerken einen Begrifffinden, damit Sie sich daran reiben können. Das Phänomen selbst ist für Sie wohl zu belanglos.

Kunsthaus Zürich

KUNSTHAUS ZÜRICH
Auch wenn die Beschäftigung in der Praxis und Bibliothek so wirkt, als tanzte ich auf zwei Hochzeiten gleichzeitig, so ist beides so vermischt, daß ich nie lange ohne das andere auskomme. Wenn Sie einen Autor wie Gottfried Benn, der selber Arzt war, lesen, so reizt es ja gewiß zu fragen, warum jemand, der Mediziner ist, zum Schriftsteller wurde.
Kunsthaus Zürich

Computerspiele

COMPUTER SPIELE
Klar könnte ich die Arbeit an einen Vertreter oder den Sonntagsdienst abtreten, aber ich möchte weder das eine noch das andere missen. Ich bin jemand, der, wenn er länger als drei Tage Urlaub macht, unruhig wird, weil mir in der Muße, die ich dann mit der Literatur oder der Kunst haben könnte, die Patienten fehlen. Ich benötige diese Berührungspunkte, und darum stimmt das Klischee auch nicht, wonach sich das eine vom anderen separieren läßt. Computerspiele

Sigmar Polke

Dieser Intellektualismus bei Sigmar Polke spricht mich an. Ist das Geistige Ihnen wichtiger als das rein Optische und Visuelle ? Ja, darüber besteht kein Zweifel und deshalb sagen mir weder realistische Bilder noch reine Peinture etwas. Denn diese Art von Kunst glaube ich, so schnell wahrgenommen zu haben, daß ich damit nicht lange etwas anfangen kann. [Sigmar Polke]

Andy Warhol

Textportraits - Ralph Ueltzhoeffer.

New York: Joseph Beuys

Deshalb reizte es mich, das Thema auf Joseph Beuys und die Literatur zu bringen, wie ich Jahre später auch seinen Bezug zur Musik erörterte. Auf Proust bezogen, verhielt es sich so, daß er in Deutschland längst noch nicht so wie heute verbreitet war, weshalb ich 1971 Lust verspürte, einen Vortrag über Proust und die Künste in der Galerie Zwirner zu halten. Ich war davon überzeugt, daß sich auch einem naiven Leser näherbringen läßt, wie Proust anhand eines Malers wie Elstir, der ja eine Kunstfigur ist, allgemeine Probleme des Sehens, Empfindens und des Verwirklichens eines künstlerischen Anliegens darstellt und wie er die Impressionisten, Turner und andere mischt, um seine ideale Figur eines Künstlers zu kreieren. [New York - Joseph Beuys]

Jenny Holzer

JENNY HOLZER
The Black Garden: Der Garten als Anti-Memorial

Die 1929 In Nordhorn errichtete Gedenkstätte „Am Langemarckplatz” für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurde 1959 zu einem Ort der Erinnerung auch für die Toten des Kriegs 1870/71 und des Zweiten Weltkriegs erweitert. Das bis heute von lebhaften öffentlichen Diskussionen um einen angemessenen Umgang mit der Kriegsvergangenheit begleitete Projekt von Jenny Holzer sah die Umgestaltung des Denkmals durch ein konzentrisches Wegesystem mit steinernen Bänken vor. Holzer gab der Anlage 1994 den Namen „Black Garden” und ließ sinngemäß ca. 10 000 schwarz-blutige oder -blättrige Gehölze, Gräser und Blumen pflanzen, während sie vor der Gedenktafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs ein Beet mit ca. 100 weißblühenden Pflanzen anlegen ließ. Die Bepflanzung wird noch immer mit der Künstlerin jährlich mit Blick auf ein gutes Wachstum unter den gegebenen Klimabedingungen verändert. Holzer reagiert mit dem Schwarzen Garten auf ein bestehendes Monument und sub-limiert dessen kontroverse Geschichte zu einem in sich absichtsvoll widersprüchlichen Besinnungsort über Krieg, Gewalt und ihre Folgen. Der an dieser Stelle bisher unkommentierte Mythos um die Schlacht nahe der belgischen Stadt Langemark 1914, der auf einer bewußten Falschmeldung der Obersten Heeresleitung fußt, wird durch Jenny Holzers Arbeit entlarvt und umgewertet. Sie stellt der angeblich heroischen Schlacht Typen des Kriegshorrors gegenüber und inszeniert so eine Atmosphäre des umgekehrten Gedenkens.



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