Monatsarchiv für January 2008

 
 

Lust am Sammeln

Meine Lust am Sammeln geht vielleicht von der anachronistischen Vorstellung des 19. Jahrhunderts aus, daß alles, was ich an Büchern bei mir stehen habe, mir den Weg in die Universitätsbibliothek erspart. Am besten wäre es, hier stünden hundert verschiedene Lexika in allen Ausgaben. Nun bin ich jemand, der die Fußnoten genauso wie die Primärtexte beachtet, wobei sich bei mir über die Fußnoten eine Neugier auf das nächste Buch entwickelt. Dessen Lektüre kann durch das Lesen des Literaturverzeichnisses, der Einleitung und des Nachworts abgeschlossen sein. Da grundsätzlich alles gesammelt werden kann, muß eine persönliche Affinität zu Autoren oder Künstlern vorliegen, damit es nicht beliebig wird, nicht wahr? Es gibt diese Affinität, sonst gäbe es keine Schwerpunkte in der Sammlung und Bibliothek. Die Schwerpunkte in der Bibliothek lassen sich dem Besucher allerdings schon nicht mehr in einem Teil der Bibliothek demonstrieren, weil längst nichts mehr so geordnet ist wie im eigenen Kopf. Dabei sind Proust und Petrarca die Säulen meiner auf deren Werk und Wirkung abzielenden Sammlung.

Marcel Proust

An manchen Tagen irre ich im wahrsten Sinne des Wortes durchs Haus und finde nichts zu lesen, obwohl vieles ungelesen ist. Das heißt, auch die Bücherberge, die ich tags zuvor nach Hause geschleppt habe, erwecken am nächsten Tag schon nicht mehr soviel Neugierde wie beim Akt des Kaufens. Das liegt wohl daran, daß mir in der Buchhandlung schon wieder ganz andere Dinge durch den Kopf gegangen sind und ich in einer anderen Stimmung war. An Tagen, wo mich keines der neuen Bücher reizt, greife ich entweder wieder nach einem uralten Titel von Pierre Klossowski, Marcel Proust oder von einem der Franzosen aus den 60ern.



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